„Ich hab mich nie unsicher gefühlt“

Kathrin hat vor der Schließung der JVA Magdeburg als Justizvollzugsbeamtin dort gearbeitet. Im Rahmen von SINNLICHKEIT gibt sie sonntags Führungen durch die JVA. Es lohnt sich! Kommt rum und lauscht den Geschichten von Kathrin über den Alltag im Gefängnis.

Wir haben sie getroffen und ihr ein paar Fragen gestellt.

 

Kathrin, wie wird man Justizvollzugsbeamtin?

Ich habe zunächst Wirtschaftskauffrau gelernt, dann BWL studiert, war selbstständig. Und dann habe ich noch einmal eine neue Ausbildung angefangen, die heißt direkt “Justizvollzugsbeamter/-in”. Das war damals in der Zeitung ausgeschrieben. Die Ausbildung habe ich dann 1998 hier in der JVA Magdeburg begonnen und bis zur Schließung 2013 auch hier gearbeitet.

Wie sah dein Berufsalltag so aus?

Man begleitete den kompletten Alltag eines Gefangenen. Angefangen mit der Essensausgabe am Morgen, Gespräche führen, Gefangene zum Rechtsanwalt bringen. Du erklärst ihnen den Alltag: wie läuft das mit Besuch ab? Du teilst den Einkauf aus. Du bringst ihn zur Freistunde. Du begleitest ihn überall hin, weil er nicht alleine darf.

Was ist die Freistunde?

Das ist die Zeit, in der alle Gefangene einmal am Tag auf den Hof dürfen. Eine Stunde lang, an besonders heißen Tagen auch mal länger. Hier gab es ja ein Volleyballfeld. Da wurden am Wochenende auch mal Turniere gespielt.

Und Einkauf? Was konnten die Gefangenen einkaufen?

Jeder Gefangene hat ein Konto, auf dem das Geld ist, das er mitgebracht hat, oder auf das Angehörige einzahlen können. Dann gab es Listen von einem Verkäufer. Dort stand alles drauf, was die Gefangenen bestellen konnten- über Gummibärchen, Thunfisch…

Einmal die Woche kam dann der Verkäufer mit großen Kisten mit je einer Nummer drauf. Und danach wurde das Essen verteilt.

Wie war das Essen in der JVA?

Es gab drei Mahlzeiten. Beamte kochten und Gefangene halfen mit, auch wenn sie keine gelernten Köche waren. Das lernten sie dann dort. Es wurde auch immer eine Probe genommen von einem Arzt, so wurde sichergestellt, dass nichts reingemischt wurde. Und eigentlich war das Essen auch richtig gut. Die Beamten konnten auch mit essen.

Wie war eine Zelle so eingerichtet?

In den letzten Jahren wurde vor allem der sanierte Südflügel genutzt. Da war die U-Haft drin. Bett, Tisch und Hocker waren angeschraubt. Außerdem hatte jeder einen Schrank und einen Spind, die ebenfalls angeschraubt waren. Und ein kleines Bad gehörte auch zu jeder Zelle, alles aus Edelstahl, so dass auch hier nichts zerschlagen werden konnte.

Und einen Fernseher?

Ja einen Fernseher hatte jeder. Viele hatten auch eine Playstation.

Es scheint, als ob du die Gefangenen ja auch gut kanntest.

Ja, hier war alles eher familiär. Mit den Kollegen, aber auch mit den Gefangenen, da es in den letzten Jahren nicht mehr so viele waren. Da kannte man sich schon. Der eine oder andere erzählte ja auch mal seine Geschichte oder auch Privates. Bisschen was wusste man schon.

Hast du dich jemals unsicher gefühlt?

Nein gar nicht. Wenn du wissen wolltest, was der Gefangene getan hatte, erfuhrst du das. Aber nicht jeder Kollege wollte das wissen. Ich wollte es schon.

 

Wenn ihr weitere Fragen an Kathrin habt und noch mehr über ihre Arbeit und das Leben hinter Gittern erfahren wollt, dann kommt sonntags vorbei!

Termine: jeweils 16 Uhr am 25.07. (Samstag!), 02.08., 09.08., 16.08., 23.08., 06.09., 13.09.

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