Vorgestellt: SKAM e.V. aus Hamburg

In die hinterste Produktionshalle auf dem TGA-Gelände ist die Künstlergruppe SKAM e. V. eingezogen. Was sie auf den 1200 qm vorhaben, verrät Dodo Adden, der seit gefühlten 13 Jahren dabei und seit 2006 als gewählter Vorstand verantwortlich ist.

Was bedeutet SKAM und was macht ihr?

SKAM ist eine Ateliergemeinschaft, die seit über 21 Jahren in Hamburg existiert. Das Wort SKAM bedeutet „Schöne Kunst allen Menschen“. Wir haben uns damals in einer ähnlichen Situation wie hier in einer großen Abrisshalle gefunden, allerdings hatten wir dort knapp 3000 qm Arbeitsfläche. Wir haben dann noch einen Galerieraum eröffnet, den SKAM-Raum mit 90 qm, den wir vielen anderen zur Verfügung gestellt haben. Wir hatten aber nie einen echten Mietvertrag, sondern immer nur Räumungsfristverlängerungen um ein bis drei, maximal sechs Monate. Leider wurde das Gebäude 2009 schließlich abgerissen und durch Bürohäuser ersetzt.

Bei uns geht es um Möglichkeitsschaffung, Raumnutzung, Raumerhalt, Zwischenraumnutzung, produktive Prozesse, Gruppenprozesse, inhaltliche Arbeiten. Natürlich jeder nach seiner Fasson. Aber der Einzelne stellt sein Ego auch mal zurück, damit Gruppendynamiken möglich werden. Das ist immer alles freiwillig, es wird basisdemokratisch abgestimmt. Viele schlagen vor, was sie umsetzen wollen, wir stimmen gemeinsam ab und lösen auf diesem Wege die Konflikte. So hat es die Gruppe geschafft über 21 Jahre zu bestehen. Das SKAM-Prinzip beruht auf Respekt und Vertrauen dem Einzelnen gegenüber und auch im Miteinander. Wir haben eigentlich nur zwei Grundsätze für uns gefunden, die insgesamt Geltung haben: Dasein und Wirken durch das Werk.

skam2Heißt das, ihr bleibt nicht nur bis kurz nach der Eröffnung, sondern auch während der Ausstellung und seid einfach noch zwei Monate mit dabei?

Die, die das zeitlich schaffen, ja. Einige sind eingebunden in familiäre Kontexte und Arbeitskontexte – als Künstler hat man diverse Hüte auf, um sich zu finanzieren. Nicht jeder kann von der Kunst leben, aber wohl sind es inzwischen einige, die aus der Halle heraus, in der wir damals gestartet sind, den Sprung in die arrivierteren Zirkel geschafft haben. Soweit ich weiß, werden Oliver Krewitt und Markus Armbrecht auf alle Fälle bleiben und solange ihre Wirkungsstätte hierher verlegen. Andere werden immer mal wieder zu Besuch kommen, schauen, wie’s aussieht und welche Synergien sich vor Ort entwickelt haben. Die Ausstellung wird sich vielleicht auch fortlaufend verändern.

Vielleicht ist das auch sowas wie eine Heldenreise, die wir hier gerade anstreben. Vorletztes Jahr waren wir im Westwerk in Leipzig in einer großen Halle, jetzt sind wir hier in Magdeburg in einer großen Halle. Wer weiß, wo die nächste schöne, große Halle steht, in der wir zum Wirken eingeladen werden.

Was stellt ihr aus?

skam1Es ist die komplette Bandbreite, von Konzept-Art über Malerei und Bildhauerei bis zu Audiovisuellem und Installationen. Die einzelnen Entitäten arbeiten entsprechend dem, was sie ausdrücken wollen, mit den jeweiligen Mitteln. Einige Arbeiten stehen im aktuellen Zeitkontext. Andere Themen durchdringen Raum-und-Zeit-Momente und sind mystische Verdichtungen sinnlicher Quintessenzen.

Der eine oder andere hat in seinem Werkfundus geschaut, was seiner Auffassung von „Mystique“ nach, in seinem Verständnis der Zusammenhänge, passen würde. Es sind einige Werke nur hierfür entstanden oder sind auch noch im Entstehen, wahrscheinlich bis kurz vor der Eröffnung.

Habt ihr euch die Stadt schon angeguckt? Wie habt ihr euch in Magdeburg eingelebt?

Bis auf die Halle haben wir von Magdeburg bisher herzlich wenig gesehen – außer den Wegen zu den Baumärkten und zu den anderen Facilities, die wir brauchten, um Material zu beschaffen und das hier auf die Beine zu stellen. Die Hoffnung vieler ist, dass wir noch Zeit haben, die Umgebung zu genießen, z. B. die Elbauen und die romantischen Seiten der Stadt, wenn die Ausstellung läuft und steht. Es entstand auch schon spielerisch die Idee, einen Elbkahn zu chartern und dann die Elbe nach Hamburg zurückzufahren. Das ist die direkteste Verbindung. Ob das umgesetzt wird, weiß ich noch nicht, aber es ist eine lustige Idee.

Seit letztem Dienstag, also gut anderthalb Wochen, sind wir hier vor Ort. Wir leben in der Halle, wir arbeiten in der Halle, wir essen in der Halle, wir schlafen in der Halle. Wir wollten das Hallengefühl mal wieder erfahren. Das ist ähnlich, wie es zu Hause einmal war, und das macht Spaß. Besonders interessant war für uns auch dieses Konglomerat, denn der große Riegel des TGA-Gebäudes ist wie das alte Ur-Frappant, Große Bergstraße, in Hamburg: das Gebäude, in das wir gezogen sind, nachdem wir unser SKAM verlassen mussten. Und jetzt haben wir hier plötzlich die Dynamik von anderthalb SKAM plus dem ehemaligen Frappant an einem Ort. Hier kulminiert einiges an persönlich erlebter Geschichte. Aber das ist eben alles neu und jetzt.

Es steht noch einiges an Material herum – schafft ihr das bis morgen?

Ja klar! Wir rotieren seit Tagen rund um die Uhr, mit ein paar Stunden Schlaf. Das geht den anderen hier auf dem Gelände nicht anders. Es wird bis morgens um vier oder fünf geflext und gedängelt und gesägt und gehängt und diskutiert, was wo wie hängen kann, welches Werk mit welchem korrespondiert, wie die Besucherführung laufen sollte und ob die Besucher das Werk selbst entschlüsseln können. Das erfordert einfach Zeit und die investieren wir gerne.

Wer mehr über SKAM erfahren möchte, dem sei ein Blick auf www.skam.org empfohlen.

Interview: Robert Gruhne

Bilder: Robert Gruhne, Franziska Herz

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